Das vorliegende Werkverzeichnis der Berliner Künstlerin Gisela Breitling erhebt den Anspruch, erstmals einen repräsentativen Einblick in ihr Gesamtwerk zu gewähren.

Wir trauern um Gisela Breitling (27.05.1939-12.03.2018)

Die Berliner Malerin und Schriftstellerin Gisela Breitling (* 27.05.1939, † 12.03.2018 in Berlin), befasste sich seit den 1960er Jahren mit der Anerkennung von Frauen in der Kunst.

Als Künstlerin des Realismus hat sie ein umfangreiches Bildœuvre mit Selbstportraits, Stillleben, Frauenbildern sowie religiösen und surrealen Sujets geschaffen, die international in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt wurden. Zudem sind ihre Werke weltweit in renommierten Sammlungen vertreten, u.a. in der Nationalgalerie in Berlin, der Albertina in Wien, dem National Museum of Women in The Arts in Washington und im Victoria and Albert Museum in London.
Als Schriftstellerin und Autorin veröffentlichte sie Bücher, wie „Die Spuren des Schiffs in den Wellen: Eine autobiographische Suche nach den Frauen in der Kunstgeschichte“ und „Der verborgene Eros: Weiblichkeit und Männlichkeit im Zerrspiegel der Künste“ sowie diverse Fachaufsätze, die große Beachtung fanden.

Gisela Breitling war zudem Mitbegründerin des „Verborgenen Museums“ in Berlin, in dem seit 1987 vorwiegend Werke von vergessenen europäischen Künstlerinnen ausgestellt werden.

Im selben Jahr gewann sie den Wettbewerb zur Gestaltung des Turms der St. Matthäus-Kirche inmitten des Kulturforums Berlin, für den sie diverse Arbeiten zum Matthäus-Evangelium anfertigte.
Als Anerkennung ihres unermüdlichen Engagements für die Gleichstellung von Frauen in der Kunstwelt wurde ihr im Jahr 2001 das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

Gisela Breitling starb am 12.03.2018 in einem Pflegeheim in Berlin-Lankwitz.

Die ausführliche Biografie der Künstlerin und Schriftstellerin finden Sie hier: https://giselabreitling.de/biografie/
Weitere Informationen zu diesem Werkverzeichnis: https://giselabreitling.de/einleitung/
Video zur Ausstellung im MANA im Jahr 2014: https://youtu.be/cLvGJE-ejFI

Die Künstlerin

Gisela Breitling wurde am 27. Mai 1939 als zweitältestes Kind von Paul-Friedrich und Maria Breitling (geb. Widmann) in Berlin geboren. Die Familie zog 1943 kriegsbedingt nach Lindau am Bodensee, wo Gisela Breitling ihre weitere Kindheit und Jugend verbrachte.

Nach dem Schulabschluss machte sie 1958 zunächst ein Druckereipraktikum und begann eine Lehre als Musterzeichnerin in Lindau. 1960 nahm sie das Textilingenieurstudium an der Hochschule in Krefeld auf und besuchte dort die Meisterklasse von Elisabeth Kadow. Im Anschluss an ihr Diplom reiste sie 1962 nach Rom und Florenz, wo sie die Kunst der Renaissance erstmals am authentischen Entstehungsort erleben konnte – sie besuchte damals auch den manieristischen Skulpturengarten von Bomarzo. [MEHR…]

Zeit des Lernens und Experimentierens

Im Frühwerk Breitlings dominieren graphische und druckgraphische Arbeiten neben kleinformatigen Gemälden. Dies ist vermutlich dem Umstand geschuldet, dass Breitling ihr Studium überwiegend bei Friedrich Stabenau absolvierte, der die Professur für freie Grafik an der Hochschule der bildenden Künste in Berlin innehatte und dessen Meisterschülerin sie wurde. [MEHR…]

Entwicklung der eigenen malerischen und intellektuellen Position

In dieser Phase zeigt sich Breitling als Künstlerin, die ihren bisherigen dem phantastischen Realismus zugeordneten Malstil durch Variationen experimentell erweitert. Dabei ging sie zweigleisig vor: sie erarbeitete sich die theoretische Basis für ihre Selbstverortung als gegenständliche Malerin und erneuerte parallel dazu ihre künstlerische Darstellungsweise. [MEHR…]

Facettenreicher Realismus – das Matthäuskirchturmprojekt, Stillleben und Frauenakte

Nach Abschluss des Ausstellungsprojektes „Das Verborgene Museum“ wandte Breitling sich in den 90er Jahren vermehrt der Weiterentwicklung ihrer eigenen Malerei zu. Das Ausstellungsprojekt hatte zwar ihren Bekanntheitsgrad als engagierte und feministisch denkende Künstlerin gesteigert…[MEHR…]

Die künstlerische Freiheit des Endes

Nach Abschluss der Auftragsarbeit für den Turm der St. Matthäus-Kirche in Berlin, nahm Breitling kein größeres Projekt mehr in Angriff. Ihr Spätwerk ist durch eine ungewohnte Leichtigkeit gekennzeichnet, die sich sowohl in ihren Bildthemen als auch in den von ihr verwendeten künstlerischen Techniken zeigt. [MEHR…]